Verkehr & Luftreinhaltung
Fahrzeugkühlung

- Foto: Peter Kirchhoff/Pixelio.de
Die Klimaexperten des UN-Weltklimarates rechnen bis zum Jahr 2015 mit fast einer Milliarde klimatisierter Fahrzeuge. Klimaanlagen gehören heute zur Standardausrüstung von fabrikneuen Pkws. Die Ausrüstungsrate bei großen Nutzfahrzeugen (> 7,5 Tonnen) lag schon im Jahr 2004 bei 83 Prozent. Kaum jemand möchte inzwischen auf gut gekühlte Auto-, Bus- oder Bahnfahrten verzichten.
Zunehmend werden auch im Sommer die Innenräume in Wohnungen mit Klimageräten gekühlt. Doch ob im Wohnraum oder im Fahrzeug: Klimaanlagen verbrauchen viel Energie, sie belasten nicht nur die Umwelt sondern auch die Haushaltskasse.
Unsichtbare Gefahr: Klimakiller Kältemittel
Durch die Nutzung einer Klimaanlage steigt der Kraftstoffverbrauch eines jeden Fahrzeugs um zehn bis 15 Prozent. Zudem werden aus den Klimaanlagen allein im Jahr 2015 schädliche Kältemittel im Umfang von mindestens 270 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten in die Atmosphäre gelangen und den Klimawandel verstärken (Quelle: IPCC).
Die DUH setzt sich dafür ein, die Umweltbelastung durch Fahrzeugklimaanlagen zu verringern und einen breiten Unterstützerkreis für eine umweltfreundliche Klimatisierung aufzubauen. Schwerpunkt unserer Arbeit ist die Frage nach einem zukunftsfähigen Kältemittel, denn ohne Kältemittel funktioniert gar nichts in einer Klimaanlage.
Während der gesamten Lebensdauer eines Fahrzeugs entweicht permanent etwas Kältemittel in die Umwelt und schädigt die Atmosphäre. Bei bisherigen Pkw-Anlagen entweicht nach Herstellerangaben zwischen acht und zehn Prozent Kältemittel im Jahr, bei Bussen sind es ca. 13 Prozent im Jahr. Bislang wird in allen gängigen Fahrzeugklimaanlagen als Kältemittel die Chemikalie R134a eingesetzt.
R134a ist mitverantwortlich für den Klimawandel und zählt zu den im Kyoto-Protokoll aufgeführten fluorierten Treibhausgasen, die den Klimawandel beschleunigen und die Ozonschicht zerstören. Es ist 1.430mal klimaschädlicher als CO2. Allgemein wird die Klimaschädlichkeit eines Stoffes als GWP-Wert (Global Warming Potential) angegeben. Die EU hat daher für Kältemittel in Fahrzeugklimaanlagen einen Grenzwert festgelegt, um die Verwendung klimaschädlicher Stoffe wie R134a einzudämmen und langfristig zu verbieten.
CO2 als umweltfreundliches Kältemittel in der Klimaanlage
Eine serienreife und umweltfreundliche Lösung ist das natürliche Kältemittel CO2; in diesem Zusammenhang wird CO2 auch R744 genannt. CO2 besitzt alle Voraussetzungen, um die Kriterien Komfort, Sicherheit und Umweltverträglichkeit in einer Fahrzeugklimaanlage zu vereinen. CO2 hat den im Verhältnis zu allen anderen Kältemitteln unschlagbar niedrigen GWP-Wert von 1. Auf Grund ihrer ökologischen Nachhaltigkeit empfehlen sich diese Anlagen als zukunftsfähige Kältetechnik.
Ebenso wichtig wie die Frage des Kältemittels ist es, die bisherigen Klimaanlagensysteme zu optimieren, damit der Energieverbrauch und die daraus resultierenden Emissionen deutlich sinken und durch verbesserte Komponenten und Werkstoffe die Anlagendichtheit erhöht wird.
Die Deutsche Umwelthilfe legt großen Wert darauf, eng mit den zuständigen Behörden und Experten zu kooperieren. Wir wollen alle wesentlichen Akteure aus der Branche an einen Tisch bringen. Verbraucher, Händler und Hersteller sollen gleichermaßen für die Vorteile einer umweltfreundlichen Klimatisierung sensibilisiert werden, um so die Durchsetzung und eine rasche Einführung in den breiten Massenmarkt zu unterstützen.
FAQ's zum Thema Pkw-Klimaanlagen mit CO2
Unsere Projekte zum Thema Fahrzeugkühlung
- Auto-KlimaanlagenIn Deutschland sind knapp 42 Millionen Pkw angemeldet. Fast alle Neuzulassungen sind mit einer Klimaanlage ausgestattet. Wir setzen uns dafür ein, dass zukünftig die Klimaanlagen in Autos mit natürlichen Kältemitteln betrieben werden und eine effizientere Technik zum Einsatz kommt: Wir plädieren für den Einsatz von R744 – CO2 als Kältemittel.

- Bus-KlimaanlagenDie Tendenz ist auch hier erkennbar: immer mehr Busse werden mit einer Klimaanlage ausgestattet. Als erstes Verkehrsunternehmen weltweit sind die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) freiwillig auf CO2 als Kältemittel umgestiegen. Wir fordern von Busfahrzeugherstellern und anderen Verkehrsbetrieben CO2-Klimaanlagen möglichst bald als Standard anzubieten.

- Energiesparende KühlfahrzeugeTausende von Lkw´s versorgen uns täglich mit frischen und tiefgekühlten Lebensmitteln. Ob direkt vor die Haustür oder zum Lebensmittel-Discounter: der Energieaufwand für die Kühlung ist enorm. Wir wollen Einsparpotentiale transparent machen und ein Energy Label für Kühlfahrzeuge durchsetzen. Denn eine Optimierung der Systeme würde nicht nur den Schadstoffausstoß der Fahrzeuge und den Energieaufwand für die Kühlung reduzieren, sondern auch die Kosten für den Transporteur senken.

- Gefährliche KältemittelDie Chemikalie 1234yf wird als mögliche Alternative für das bisherige Kältemittel R134a in Fahrzeugklimaanlagen diskutiert. Aber mit einem Einsatz von 1234yf sind hohe Risiken für Fahrzeuginsassen und Brandhelfer bei Unfällen verbunden. Wir haben die möglichen Folgen für Mensch und Umwelt nach einem Autounfall genauer untersucht und die Ergebnisse in unseren Filmen dokumentiert.
- Pro KlimaMit Unterstützung der EU-Kommission haben wir eine breit angelegte Informationskampagne zum Thema Autoklimaanlagen ins Leben gerufen.
Pressemitteilungen
- 02.04.2012 - Umstrittenes Autokältemittel R1234yf: Heimlichtuerei um TÜV-Gutachten geht weiter
- 15.02.2012 - Klima- oder gesundheitsschädliche Kältemittel: Mensch und Umwelt weiter Versuchskaninchen für die Autoindustrie
- 14.12.2011 - Gemeinsame Pressemitteilung: Klimaanlagen in Pkw und Klimaschutz - Fachtagung fordert effiziente Technik und einheitliches Messverfahren des Mehrverbrauchs von Autoklimaanlagen
- 28.11.2011 - Innovative Busklimatisierung setzt neue Maßstäbe im Klimaschutz
- 14.09.2011 - Erneuter Rechtsbruch beim Klimaschutz: Krimi beim Autokältemittel geht weiter



